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Nairobi – Safari, Verkehrschaos und mehr!

Montagmorgen sind wir mit Emirates von Dubai nach Nairobi geflogen. Um das Visum am Flughafen bezahlen zu können, haben wir unseren USD-Vorrat an einer Wechselstube in der Mall of the Emirates nochmal aufgestockt. Ich gehe also zum Schalter und sage der Dame dass ich gern Dirham in USD wechseln möchte. Sie fragt wie viel, ich sage: 70 USD! Darauf die Nachfrage: 70’000? Ich so: Äh nein, nein, nur 70.- USD 😀 Wie ein Scheich sehe ich nun wirklich nicht aus, oder wechseln tatsächlich viele Menschen einen solchen Betrag, dass sie so etwas annahm? Wie auch immer, nachdem die 259.65 AED in 70 USD gewechselt waren, stand dem Visum, das in USD bezahlt werden muss nichts mehr entgegen – dachte ich zumindest.

Bei der Einreise wollte die Dame am Visaschalter jedoch meinen 100 USD Schein nicht akzeptieren, da dieser von 1996 war und sie keine Scheine älter als 2000 annehmen. Komische Praxis, aber glücklicherweise hatte ich noch einen anderen Schein dabei, aus dem Jahr 2006. Den hat sie dann angenommen. Sehr seltsam.

Nach nur ca. 1.5 Stunden Wartezeit kam dann auch unser Gepäck endlich mal an und wir konnten uns auf den Weg nach draußen machen. Da wir über Europcar einen Mietwagen gebucht hatten, hielt ich Ausschau nach einem Mann mit Europcarschild vor der Ankunftshalle. Da war auch einer, jedoch ohne meinen Namen auf dem Schild. Er führte uns dann wieder rein zum Büro, meinte jedoch, dass es ein Problem gäbe, da das Büro gerade renoviert wird (es war tatsächlich gerade frisch gestrichen worden) und mein Auto nicht hier sei, sondern am Hauptbüro, ca. 20 Minuten Fahrt von hier. Ein Mitarbeiter würde uns aber dort hin bringen.

Daraufhin machten wir die ersten Erfahrungen als Beifahrer mit dem nairobischen Verkehr. Allerdings ging es noch relativ gesittet zu. Nur als wir nach 40 Minuten unser Ziel immer noch nicht erreicht hatten und wir uns zusehends von der Innenstadt entfernten, fragte ich doch einmal beim Fahrer nach, wie lange es wohl noch dauern würde. Er meinte wir sind fast da und würden in 6-8 Minuten unser Ziel erreichen. Tatsächlich kamen wir dann bald an einem mit Stacheldraht und Security bewachten Einfahrtstor zu einem neuen Bürokomplex an, an dessen Ende auch das Europcar Schild zu sehen war.

In dem Büro für ca. 20 Leute waren allerdings nur 2 Leute am arbeiten. Nachdem ich ihm meinen Voucher unter die Nase hielt, fand er die Reservierung auch gleich und fragte uns, wo wir denn hinfahren wollten. Ich erwähnte dann, dass wir zu einem der Nationalparks wollten. Das fand er nicht so lustig und meinte, das Auto würde das nicht aushalten und für Safari müssten wir ein anderes Auto buchen. Es würde auch GPS überwacht sein und man würde erkennen, wenn ich trotzdem in einen Nationalpark fahren würde. Jedenfalls hab ich ihm dann erklärt, dass wir besonders gut auf das Auto aufpassen und keine weiteren Kratzer (zu den ohnehin schon 100) mehr hinzufügen werden. Dann wars auf einmal doch ok in den Nationalpark zu fahren :-)

Am Hotel, den Meltonia Luxury Suites, angekommen, mussten wir erst einmal wieder durch ein großes Tor, das von einem Security bewacht und  mit Stacheldraht umzäunt war. Darauf wurden wir in das Apartment geführt, wirklich schön, wenn auch teuer, aber in Kenia/Afrika wollten wir keine billige Unterkunft riskieren.

Am nächsten Tag holten wir uns zunächst kenianische Schilling am Geldautomaten und traten dann unsere 160 km lange Reise Richtung Nordwesten zum Lake Nakuru National Park an, die Google Maps mit 2:30 Std. vorausberechnete. Tatsächlich wurden es wegen des chaotischen Verkehrs in Nairobi und ein paar Zwischenstops etwas über 3 Stunden. Die Strecke ist gesäumt von Blechhütten, an denen überall Leute versuchen irgendetwas zu verkaufen. Von Kleidung über Möbel bis hin zu Medikamenten (Werbung für Panadol, amerikanische Paracetamol-Pillen, gibt es überall).

Der Weg führt entlang am Rift Valley, von wo aus man wirklich tolle Blicke in das Tal hat. In Nakuru angekommen war das Bild ein Ähnliches. Menschen überall, die Kreuz und quer über die Straßen laufen, die wiederum gesäumt sind von Blechhütten, wo irgendwelche Sachen verkauft werden. Dazwischen Autos und Lastwagen, die schwarze Wolken aus dem Auspuff blasen, sodass man mit dem eigenen Auto konstant auf Umluft fährt.

Für $80 USD pro Person (und 300 KSh für das Fahrzeug) wurde uns dann Eintritt in den Nationalpark gewährt. Den 100 USD Schein aus 1996 wollte die Dame am Ticketschalter allerdings wieder nicht… Wir machten uns dann daran, den Lake Nakuru einmal im Uhrzeigersinn zu umrunden, was leichter gesagt als getan war, denn vor allem im Süden waren einige Wege überschwemmt, da es wohl vor kurzem heftige Regenfälle gegeben hat, die den See haben ansteigen lassen. Unterwegs sahen wir jede Menge Zebras und Gazellen, einige Giraffen, Wasserbüffel, Flamingos, Affen, bunte Vögel, Strauße und Klippschiefer. Obwohl Löwen angeblich gesichtet wurden, haben die Großkatzen sich vor uns wohl versteckt.

Der Weg nach Hause war ebenso abenteuerlich wie die Hinreise. Überholt wird wo Platz ist und wenn kein Platz ist, wird einfach welcher gemacht. Mehrere Male dachte ich, dass es jetzt gleich krachen musste, aber wie durch ein Wunder ging es sich dann doch immer noch irgendwie aus. Bis es nicht vollkommen stockfinster ist, fahren rund 80% der Kenianer ohne Licht (um Sprit zu sparen?), dafür fahren Sie dann nachts bei Regen mit Fernlicht. Vermutlich um überhaupt etwas erkennen zu können, denn die Sicht ist auf nasser Fahrbahn ohne Markierungen denkbar schlecht. Dass der gesamte Gegenverkehr dafür nichts sieht, ist halt so. Jeder ist sich selbst der Nächste 😀 Nach rund 3 Stunden Rückreise waren wir in Nairobi angekommen und nur noch 2-3 km vom Ziel entfernt kamen wir in einen Stau, der darin begründet war, dass die Polizei an zwei Kreisverkehren den Verkehr wohl so regelte, dass hauptsächlich der Verkehr stadtauswärts Vorrang hatte. Resultat: nach „nur“ 1.5 Stunden hatten wir endlich die 2-3 km geschafft und waren ziemlich erschöpft im Hotel angekommen.

Heute fuhren wir zum David Sheldrick Wildlife Trust Elephant Orphanage, wo Elefantenwaisen in der Wildnis gerettet und aufgezogen werden um dann nach 2-3 Jahren wieder in die Wildnis entlassen zu werden. Für 500 KSh Eintritt war das Gebotene wirklich sehenswert und man bekam interessante Informationen zu hören. Und offensichtlich genossen die Dickhäuter auch publikumswirksam ein Schlammbad zu nehmen und mit Staub um sich zu werfen 😀

Danach machten wir uns noch auf den Weg zum Giraffe Center, welches Luftlinie keine 2 km vom Elefantenwaisenhaus entfernt ist. Nachdem wir allerdings durch slumähnliche Straßen, bzw. Wege mit Schlaglöchern so groß, dass man unseren Toyota RAV4 drin hätte verstecken können, noch ca. 150 Meter Luftlinie vom Giraffe Center entfernt waren, war Schluss. Ein steiler Holperweg mit einem Tor am Ende war Endstation. Darauf fuhren wir durch eine ebenso schlechte Straße auf schnellstem Wege wieder zurück zur Hauptstraße und folgten von dort der Beschilderung. Notiz an mich: In Afrika niemals NIE den kürzesten Weg zum Ziel wählen.

Dort angekommen kostete der Eintritt allerdings schon das Doppelte und war mit 1000 KSh schon nicht mehr so günstig. Enttäuschenderweise bekam man dafür auch eher weniger geboten, als im Elephant Orphanage. Wenn auch die Giraffen (und Wildschweine) schon echt lustig anzuschauen sind und man sie kostenlos füttern darf, so fanden wir Preis-Leistung hier nicht so gut.

Danach sind wir zurück ins Hotel gefahren, weil wir uns den Rush-Hour-Verkehr (der laut der mit Maschinengewehr bestückten kenianischen Soldatin, die wir vom Eingang des Elephant Orphanage mitgenommen haben, wochentags täglich auftritt) nicht nochmals antun wollten und wir morgen schon um 5:00 Uhr aufstehen müssen, denn das nächste Ziel steht auf dem Plan :-) und Naked Pizza hat uns gerade noch innerhalb von nur 30 Minuten unser Abendessen in das Apartment gebracht :-)